Der Käufer gibt dabei Schritte ab, die er im klassischen E-Commerce normalerweise selbst erledigt: Recherche, Produkt-Auswahl und Checkout. Teils übernimmt Agentic Commerce auch die Unterstützung nach dem Kauf.
Die Agenten arbeiten dabei in KI-Oberflächen wie dem AI Mode der Google-Suche, Gemini oder Microsoft Copilot.
Technisch stützen sie sich auf Checkout- und Zahlungsprotokolle sowie auf tokenisierte Zahlungsdaten.
Was bedeutet Agentic Commerce für Händler, und betrifft es sie schon jetzt?
Der Hype um Agentic Commerce scheint aktuell groß. Denn bereits jetzt verschiebt sich die Recherche von Produkten ganz deutlich hin zu KI. Mit ChatGPT, Gemini und Co recherchieren Interessenten Optionen, lassen sich Details erklären und Alternativen aufzeigen.
Sollte künftig auch der Kauf direkt dort getätigt werden, dann sollten Händler dort auch präsent sein und ihre Produkte für KI-Agenten kaufbar machen und Agenten als Kunden zulassen.
Für Händler verschiebt sich damit, wo Kunden Produkte finden und kaufen. Die Verantwortung für den Kauf bleibt dagegen beim Händler: Er ist weiterhin Merchant of Record und damit für Erfüllung, Retouren und Support zuständig. Der Kauf direkt im KI-Agenten funktioniert bisher fast nur in den USA. In der EU können Händler vorerst vor allem ihre Produktdaten sowie Versand- und Retourenangaben vorbereiten.
Für Händler ändert sich vor allem an drei Stellen etwas:
- Wer auf den Shop zugreift: Vor dem Kunden steht ein Agent, der in dessen Auftrag auf den Shop zugreift.
- Wovon die Kaufbarkeit abhängt: Ob ein Agent ein Produkt über Googles Checkout kaufen kann, entscheiden Felder im Produktfeed und Angaben im Merchant Center.
- Wie die Bestellung eingeht: Die Bestelldaten kommen über ein Protokoll vom Agenten ins Backend des Händlers, der sie annimmt oder ablehnt.
Ob das einen Händler schon jetzt betrifft, hängt vom Markt ab, wie der Abschnitt zum Stand 2026 in Europa und Deutschland zeigt. Für Händler in der EU geht es derzeit um Vorbereitung, nicht um den laufenden Betrieb.
Wie läuft ein Kauf über einen KI-Agenten aus Händlersicht ab?
Ein Kauf durch einen KI-Agenten folgt einer festen Abfolge, in der die Rollen klar verteilt sind. Hier einmal am Beispiel des ACP, wie es für Käufe in ChatGPT beschrieben wird:
- Auftrag: Der Kunde formuliert, was er sucht.
- Suche: Der Agent sucht passende Produkte und vergleicht Angebote.
- Auswahl: Der Agent stellt passende Produkte zusammen, der Kunde wählt aus.
- Zahlungsmittel und Freigabe: Der Kunde wählt sein Zahlungsmittel und gibt die Zahlung frei. Erst danach stellt der Zahlungsdienstleister ein Token aus, das nur für diesen Händler und diese Warenkorbsumme gilt.
- Checkout: ChatGPT übermittelt die Bestelldaten zusammen mit dem Token an das Backend des Händlers.
- Annahme und Zahlung: Der Händler nimmt die Bestellung an oder lehnt sie ab und wickelt die Zahlung über seinen bestehenden Zahlungsdienstleister ab.
- Erfüllung: Der Händler liefert, nimmt Retouren an und leistet Support.
Für Händler entscheidend sind die Schritte fünf bis sieben, denn der Händler bleibt Merchant of Record, also der Verkäufer, der die Transaktion verantwortet. Er ist damit für Erfüllung, Retouren und Support zuständig. Dasselbe gilt beim UCP-Checkout von Google. Bei einer falschen Lieferung oder einer Retoure ist also der Händler der Ansprechpartner und nicht der Anbieter des KI-Agenten.
| Beteiligter | Aufgabe im Ablauf |
|---|---|
| Kunde | Auftrag formulieren, auswählen oder einen Rahmen vorgeben, Zahlung freigeben |
| KI-Agent, etwa ChatGPT | Produkte suchen und vergleichen, Bestelldaten an den Händler übermitteln |
| Zahlungsdienstleister, etwa Stripe | Token ausstellen, das an Händler und Warenkorbsumme gebunden ist |
| Händler als Merchant of Record | Bestellung annehmen oder ablehnen, Zahlung abwickeln, liefern, Retouren und Support übernehmen |
Welche Schritte beim Kunden bleiben: Einzelfreigabe oder Mandat
Wie viel der Agent allein darf, ist abgestuft. Nutzer können bei dem Prozess immer selbst festlegen, ob der Agent vor jedem Kauf um Erlaubnis fragen muss oder innerhalb eines vorab freigegebenen Rahmens selbst auf Shopping-Tour geht. Vergleichbar ist das mit einer Person, die eine Einkaufsliste und eine Karte mit festem Limit mitbekommt: Sie wählt im Geschäft selbst aus und bezahlt an der Kasse. Für Händler macht das einen Unterschied, weil eine Bestellung im zweiten Fall eingeht, ohne dass der Kunde im Moment des Kaufs beteiligt ist.
Suche und Vergleich übernimmt der Agent in beiden Fällen. Unterschiede bestehen bei drei Schritten: wer das Produkt auswählt, wer die Zahlung bestätigt und wer den Kauf auslöst. An diesen Punkten lässt sich die Autonomiestufe eines konkreten Angebots ablesen.
| Schritt | Mit Einzelfreigabe | Mit offenem Mandat |
|---|---|---|
| Produkte suchen und vergleichen | Agent | Agent |
| Produkt auswählen | Agent schlägt vor, Kunde wählt | Agent, innerhalb vorab festgelegter Bedingungen |
| Zahlung freigeben | Kunde, bei jedem Kauf | Kunde, einmal vorab für den Rahmen |
| Kauf auslösen | erst nach Bestätigung durch den Kunden | Agent, ohne Beteiligung des Kunden im Moment des Kaufs |
Die Tabelle zeigt die beiden Enden des Spektrums. Für die Einzelfreigabe stehen der Native Checkout von Google und Käufe über das Agentic Commerce Protocol (ACP) in ChatGPT, für das offene Mandat steht das Agent Payments Protocol (AP2).
Beim Native Checkout von Google (Universal Commerce Protocol, UCP) entdeckt der Nutzer berechtigte Produkte im AI Mode oder in Gemini und kauft sie direkt dort. Zum Bezahlen übergibt der Agent an eine Google-Oberfläche. Dort bestätigt der Nutzer den Kauf selbst und bezahlt mit Google Pay, ohne Googles Shopping-Oberfläche zu verlassen.
Am weitesten geht AP2, das vorab erteilte, kryptografisch signierte Mandate kennt. Diesen Rahmen hält man in Mandaten fest, in denen etwa ein Budget, eine Betragsspanne und ein Ausführungszeitraum festgelegt wurde. In AP2 lassen sich solche Bedingungen als Einschränkungen eines Payment Mandate festlegen. Der Agent handelt dann innerhalb dieses Rahmens, ohne dass der Kunde im Moment des Kaufs beteiligt ist.
Die Wahl zwischen Einzelfreigabe oder Mandat hat Folgen. Denn mehr Spielraum für den Agenten bedeutet weniger Kontrolle über die einzelne Entscheidung.
Die Einzelfreigabe kostet mehr Klicks und hält dafür jede Entscheidung beim Menschen.
Das Mandat spart diese Schritte, dafür trifft der Agent innerhalb des Rahmens Entscheidungen, die der Nutzer nicht mehr einzeln prüft.
Wo steht Agentic Commerce 2026 in Europa und Deutschland?
Die Verfügbarkeit fällt nach Region und Ebene auseinander. Die folgenden Angaben geben den Stand von Oktober 2026 wieder. Weil Anbieter Funktionen schnell starten und wieder zurücknehmen, ist jede Angabe mit ihrem Datum zu lesen.
Die wichtigsten Starts seit 2025
- September 2025: OpenAI und Stripe stellen Instant Checkout in ChatGPT und das ACP vor.
- Januar 2026: Google kündigt auf der NRF 2026 das UCP an. Der UCP-Checkout läuft (Stand Oktober 2026) als Early-Access-Programm für ausgewählte Händler.
- März 2026: OpenAI kündigt an, Instant Checkout in Händler-Apps zu verlagern, also hin zu Käufen über verbundene Apps der Händler.
Anbieter und Pilotprojekte in Europa
Die belegten europäischen Fälle stammen vor allem von Banken, Zahlungsdienstleistern und Kartennetzwerken. Laut Mastercard haben Worldline und ING eine Agententransaktion live abgewickelt, bei der alle Teile des Zahlungsablaufs in Europa lagen. Mastercard beschreibt solche Käufe als kontrollierte, zustimmungsbasierte Szenarien, in denen Verbraucher einen Agenten zum Kauf autorisieren.
Weitere gemeldete Projekte aus 2026:
- Santander und Mastercard: Beide bezeichnen eine Zahlung über Mastercard Agent Pay als erste vollständig von einem KI-Agenten ausgeführte Live-Zahlung in Europa.
- Worldline und ING (2. Juni 2026): Sie beschreiben ihre Transaktion ebenfalls als erste Agentenzahlung Europas im Produktivbetrieb, mit ausdrücklicher Zustimmung des Verbrauchers.
- Nordea und Mastercard (5. Juni 2026): Sie melden eine Agententransaktion in Finnland.
- PayPal und Hey Savi (2. Juni 2026): Sie starten in Großbritannien eine Agentic-Commerce-Plattform mit Checkout in der App, erster Händler ist die Debenhams Group.
- Adyen: Der europäische Zahlungsdienstleister startet im Juni 2026 Adyen Agentic.
- Visa: Das Programm Visa Agentic Ready startet zuerst in Europa, unter anderem mit Revolut, Barclays und Commerzbank. Die Institute sollen damit agenteninitiierte Transaktionen testen und validieren.
Dass mehrere Unternehmen die erste Agentenzahlung Europas für sich beanspruchen, zeigt die Art dieser Angaben: Es sind Eigenmeldungen der Beteiligten über einzelne Transaktionen, keine unabhängig geprüften Marktdaten. Für OpenAI meldet eine Sekundärquelle, Instant Checkout sei Ende August 2026 auf Europa ausgeweitet worden. Eine Bestätigung durch OpenAI ist bisher nicht belegt.
Stand in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Im deutschsprachigen Raum ist der Kauf über KI-Agenten bisher kaum nutzbar. Der UCP-Checkout gilt laut Google bisher nur für Produkte mit Berechtigung in den USA, Kanada und Australien. Ob ACP für EU-Händler freigeschaltet ist, ist nicht belegt. Laut Adyen befindet sich Europa weitgehend noch in einer frühen Testphase: KI unterstützt bei Suche und Warenkorb, den Kauf gibt der Kunde selbst frei. Laut der Digitalberatung diconium ist ein autonomer Checkout in Europa derzeit nicht verfügbar, weil rechtliche Anforderungen an Datenschutz, Zahlungsverkehr und Regulierung die Umsetzung bremsen.
Mit der Commerzbank ist eine deutsche Bank am Testprogramm Visa Agentic Ready beteiligt. Laut Mastercard haben auch Banken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kontrollierte Live-Agententransaktionen abgeschlossen, etwa Deutsche Bank, DZ Bank, Erste Bank Österreich und Viseca.
Wie viele Agentenkäufe bereits stattfinden
Wie viele Transaktionen über KI-Agenten in Europa oder Deutschland bereits laufen, ist eine offene Frage: Belegte Zahlen dazu liegen nicht vor. Öffentlich sind nur Meldungen über einzelne Transaktionen und Pilotprojekte. Laut einer Sekundärquelle bleibt der vollständig autonome Agentenkauf mit Bezahlung 2026 eine Randerscheinung. Laut eMarketer befindet sich Europa weitgehend in einer Co-Pilot-Phase, in der Verbraucher sich von KI eher beim Einkauf unterstützen lassen, als ihr die Transaktion zu überlassen.
Die verbreiteten Studien messen Verschiedenes, und ihre Werte lassen sich nicht direkt vergleichen. Entscheidend ist, ob sie die Nutzung von KI für Recherche und Beratung erfassen oder die Bereitschaft, einem Agenten den Kauf selbst zu überlassen. Nur Letzteres entspricht dem Begriff im engen Sinn.
- KI-Nutzung beim Einkauf: In einer Deloitte-Umfrage unter 13.500 europäischen Verbrauchern nutzt laut commercetools mehr als die Hälfte bereits KI beim Einkauf. Deutschland, Großbritannien und Frankreich liegen mit 48 bis 52 Prozent am unteren Ende. Gemessen wird damit vor allem Recherche und Vergleich.
- Vertrauen in delegierte Käufe: Eine Studie von Sopra Steria unter 8.400 Verbrauchern in acht Ländern, darunter Deutschland, ergab im Februar 2026 laut einer Sekundärquelle: 55 Prozent haben von Agentic Commerce gehört, nur 13 Prozent kennen sich nach eigener Einschätzung wirklich damit aus. 41 Prozent vertrauen keinem bestehenden Anbieter einen delegierten Kauf an.
- Marktprognosen: Die McKinsey-Angabe, Agentic Commerce könne bis 2030 weltweit 3 bis 5 Billionen US-Dollar „orchestrieren“, ist eine Prognose und keine Marktgröße.
To-dos für Händler: Produktfeed, Protokolle, Checkout und Agenten
Aktuell stammt die belastbare Primärdokumentation von Google (UCP und Merchant Center) und gilt vorerst für Produkte in den USA, Kanada und Australien, nicht für die EU. In der EU lässt sich deshalb vor allem die Datengrundlage vorbereiten: Produktfeed, Versand- und Retourenangaben sowie Rechtstexte. Die folgenden Punkte zeigen, woran die Kaufbarkeit konkret hängt, sobald eine Freischaltung erfolgt.
Produktfeed und Merchant Center vorbereiten
Ob ein Agent ein Produkt über den UCP-Checkout kaufen kann, hängt an Feldern im Produktfeed und an Angaben im Merchant Center:
native_commerce(checkout_eligibility): Das Attribut enthält einen Boolean und steht standardmäßig auf FALSE. Fehlt es oder steht es auf FALSE, ist das Produkt nicht checkout-fähig.- Produkt-
id: Die ID im Feed muss der Produkt-ID entsprechen, die die Checkout-APIs erwarten. Weichen beide ab, ordnet das benutzerdefinierte Attributmerchant_item_idsie einander zu. - Ausgeschlossene Kategorien: Für Produkte aus Kategorien, die Google vom Checkout ausschließt, muss
native_commerce(checkout_eligibility)leer bleiben oder auf FALSE stehen. consumer_notice: Für Artikel mit gesetzlichen Warnhinweispflichten ist das Attribut verpflichtend.- Rückgaberichtlinie: Die Rückgabebedingungen müssen im Merchant Center hinterlegt sein.
- Kundensupport: Ein Kontakt für den Kundensupport ist Pflicht.
Über den Feed hinaus sollten Preis, Bestand und Lieferzeit in allen Systemen übereinstimmen. Als Merchant of Record ist der Händler laut Google für Bestandsprüfungen in Echtzeit verantwortlich.
Welche Protokolle für Händler relevant sind
Die Protokolle lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn sie ihrer Ebene zugeordnet werden. Ein Agentenkauf durchläuft vier Schichten:
- Entdeckung: Der Agent findet Produkte. Die Anpassung für KI-Suche betrifft nur diese Schicht, also die Auffindbarkeit in KI-Antworten, nicht die Ausführung des Kaufs.
- Checkout: Agent und Händler-Checkout tauschen Warenkorb, Versand und Bestellung aus. Hier arbeiten ACP und UCP, wobei UCP laut Google auch die Entdeckung und die Unterstützung nach dem Kauf abdeckt.
- Zahlungsautorisierung: Die Zahlung wird nachweisbar freigegeben. Hier arbeiten AP2 und die Token der Kartennetzwerke.
- Abwicklung: Das Geld fließt über die Kartennetzwerke.
Agentic Checkout ist ein Teilbegriff von Agentic Commerce. Er bezeichnet nur die Abschlussphase eines Agentenkaufs, also Warenkorb, Versand, Zahlung und Bestätigung, ohne Entdeckung und Vergleich der Produkte. In diesem Schichtenmodell umfasst Agentic Checkout die Checkout-Ebene, auf der ACP und UCP arbeiten, und die Zahlungsautorisierung, etwa über AP2.
| Protokoll | Ebene | Wofür | Hinter dem Protokoll |
|---|---|---|---|
| ACP (Agentic Commerce Protocol) | Checkout | Käufe aus ChatGPT heraus | OpenAI und Stripe, vorgestellt im September 2025 |
| UCP (Universal Commerce Protocol) | Checkout, laut Google auch Entdeckung und Nachkauf | Agentenaktionen im Google AI Mode und in Gemini | Google, co-entwickelt mit Shopify; laut Sekundärquelle außerdem mit Etsy, Wayfair, Target und Walmart |
| AP2 (Agent Payments Protocol) | Zahlungsautorisierung | Zustimmung des Kunden über signierte Checkout- und Payment-Mandate nachweisen | von Google entwickelt, im September 2025 angekündigt, seit April 2026 im Standardisierungsprozess der FIDO Alliance |
| MCP (Model Context Protocol) | allgemein, nicht handelsspezifisch | Verbindung von KI-Agenten mit Werkzeugen und Datenquellen | wird im Commerce-Stack mit eingesetzt |
Die Zahlungsautorisierung ist eine eigene Ebene und kein Ersatz für ein Checkout-Protokoll. Auch ein Agent, der über MCP angebunden ist, braucht laut einer Sekundärquelle für den Checkout weiterhin ACP oder UCP und für die Autorisierung AP2 oder das Trusted Agent Protocol (TAP) von Visa. UCP ist laut einer Sekundärquelle ein Open-Source-Standard, ACP ein offener Standard mit Zugang für zugelassene Partner.
Die Spezifikationen ändern sich aktuell aber schnell: Zum Zeitpunkt, zu dem dieser Guide hier geschrieben wird, liegt AP2 in Version 0.2 vor. Diese ergänzt laut einer Sicherheitsanalyse neue Funktionen und geht einen Teil früherer Schwächen an. Jede Umsetzung ist deshalb gegen die jeweils aktuelle Spezifikationsversion zu prüfen, nicht gegen die erste Ankündigung.
Native Checkout oder Kauf im eigenen Shop?
Händler wählen zwischen zwei Mustern. Beim Native Checkout über UCP oder ACP kauft der Kunde direkt in der KI-Oberfläche. Der Händler bleibt Merchant of Record mit allen Pflichten zu Erfüllung, Retouren und Support. Welches Protokoll nötig ist, richtet sich nach der Zieloberfläche: Für ChatGPT ist es ACP, für den Google AI Mode und Gemini ist es UCP.
Das zweite Muster lautet: in der KI entdecken, im eigenen Shop kaufen. OpenAI hat im März 2026 angekündigt, Instant Checkout in verbundene Händler-Apps zu verlagern. Das ACP als Protokoll ist davon getrennt zu sehen, weshalb diese Verlagerung nicht als Ende des Standards zu lesen ist.
Für Shops auf Plattformen wie Shopify hängt viel an der Plattform selbst. Laut Gladly wird die UCP-Unterstützung direkt über Shopify ausgerollt. Die eigentliche Arbeit liegt dann darin, zu wissen, welche der eigenen Plattformen das ausliefern, und es einzuschalten.
Agenten erkennen statt abwehren
Auf Händlerseite verschwimmt die Grenze zwischen legitimem Agenten und Betrugs-Bot, denn laut Adyen kann ein legitimer Shopping-Agent genauso aussehen wie ein Scraper oder ein Exploit-Bot. Legitime Agenten lassen sich jedoch identifizieren, statt sie pauschal als Bots zu blockieren. UCP-Anfragen sind am Header UCP-Agent:Profile und an einem User-Agent erkennbar, der mit Google/UCP beginnt. Die Händlerprofile selbst liegen laut UCP-Spezifikation unter /.well-known/ucp, wo Agenten sie abrufen.
Für den Kartenzahlungsverkehr hat Visa das Trusted Agent Protocol vorgestellt, gestartet mit Cloudflare: Händler prüfen die Signatur eines Agenten gegen ein Verzeichnis von Visa. Händler können damit entscheiden, ob eine Anfrage von einem bekannten Agenten stammt. Eine Bot-Abwehr, die solche Anfragen ungeprüft abweist, schließt dagegen auch zahlungswillige Kunden aus.
Was Kunden Vertrauen gibt und was Händler dafür tun können
Ein Agentenkauf setzt voraus, dass Kunden dem Agenten ihre Zahlungsdaten und eine Kaufentscheidung überlassen. Laut McKinsey, zitiert von diconium, würden nur 30 Prozent der europäischen Verbraucher einer KI eine automatische Bestellung überlassen. Für Händler ist deshalb relevant, welche Schutzmechanismen es gibt, wo sie enden und wer bei Fehlkäufen haftet.
Wie Zahlungsdaten bei Agentenkäufen geschützt sind
Wer seine Zahlungsdaten an KI übergibt, sorgt sich möglicherweise um deren Sicherheit.
Bei ACP mit dem Shared Payment Token und bei AP2 erhält der Agent keine echten Kartendaten. Er arbeitet dort mit Stellvertretern, die an einen Händler, einen Betrag oder einen freigegebenen Rahmen gebunden sind. Googles UCP-Checkout nutzt laut Google dagegen derzeit die Kartennummern, die Nutzer in Google Wallet gespeichert haben (FPANs), im Google-Pay-Ablauf. Für Händler ändert sich an der Abwicklung wenig, weil sie die Zahlung über ihren bestehenden Zahlungsdienstleister abwickeln.
Zwei Arten von Token ersetzen die Kartennummer im Agentenkauf:
- Shared Payment Token (SPT): Stripe stellt ein Token aus, mit dem die KI-Anwendung eine Zahlung auslösen kann, ohne die Zahlungsdaten offenzulegen. Das Token gilt nur für einen bestimmten Händler und eine bestimmte Warenkorbsumme, und die KI-Anwendung erhält dabei nie die echten Kartendaten.
- Netzwerk-Token: Auch die Kartennetzwerke arbeiten mit Token für Agenten. Mastercard bietet im Rahmen von Agent Pay sogenannte „Agentic Tokens“ an.
Zahlungen, die ein KI-Agent im Auftrag eines Nutzers oder Unternehmens autorisiert, auslöst oder ausführt, heißen Agentic Payments. Sie bilden die Zahlungsebene von Agentic Commerce, reichen aber über den Handel hinaus, etwa bei Mikrozahlungen zwischen Maschinen oder Rechnungszahlungen in Unternehmen. Technisch stützen sie sich auf Mechanismen wie Shared Payment Token, Netzwerk-Token und signierte Mandate.
Was ungewollte Abbuchungen verhindert
AP2 arbeitet mit zwei signierten Mandaten. Das Checkout Mandate sichert, was gekauft wird, das Payment Mandate die Zahlung für diesen Checkout. Beide gibt es in geschlossener Form für einen konkreten Warenkorb oder in offener Form, die vorab Bedingungen festhält. Daraus ergeben sich zwei Modi: Der Kunde gibt den fertigen Warenkorb in Echtzeit frei, oder er legt vorab offene Mandate fest, innerhalb derer der Agent später ohne ihn handelt.
In beiden Fällen entsteht ein doppelter Riegel, weil der Händler nicht mehr berechnen kann als freigegeben und der Agent nicht ohne Autorisierung ausgeben kann. Ein SPT begrenzt Händler und Betrag eines einzelnen Kaufs, ein offenes Mandat begrenzt einen Rahmen über mehrere Käufe, und die signierten Mandate dienen im Streitfall als Nachweis der Zustimmung. Je größer der Spielraum eines Agenten, desto wichtiger sind eng gesetzte Limits.
Wo der Schutz endet
Signierte Mandate sichern die Transaktionsdaten, also Artikel, Betrag und Freigabe, ab der Signatur, nicht aber den Kontext, der die Auswahl vorher formt. Bei einer indirekten Prompt Injection stecken Anweisungen versteckt in Webseiten oder Produkttexten, und der Agent übernimmt sie beim Lesen. So lassen sich Produktwahl und Rangfolge beeinflussen, obwohl die Mandate gültig sind. Der Agent kauft dann formal korrekt autorisiert, aber das falsche oder ein manipuliert bevorzugtes Produkt.
Für AP2 in der Version 0.1 haben frühere Arbeiten Replay-Angriffe (Wiederverwendung einer gültigen Freigabe) und Prompt Injection beschrieben. Eine Sicherheitsanalyse der Version 0.2 (Aviv et al., arXiv 2608.23858) hält fest, dass v0.2 einen Teil dieser Probleme angeht. Eingaben, die die Transaktion vor der Signatur formen, bleiben aber außerhalb des Schutzes. Die semantische Angriffsfläche liegt also vor der Signatur, und bessere Kryptografie schließt sie nicht.
Für Kunden bleiben enge Limits und Einzelfreigaben bei höheren Beträgen deshalb sinnvoll, weil keiner der Schutzmechanismen eine manipulierte Auswahl verhindert. Für Händler folgt daraus, dass ihre Produkttexte und Produktdaten Teil des Kontexts sind, den der Agent liest und auf dessen Grundlage er auswählt.
Offene Haftungsfrage bei Fehlkäufen
Wer bei einer Fehlentscheidung des Agenten haftet, richtet sich laut Händlerbund wohl nach den allgemeinen Regeln des Zivilrechts und hängt vom Einzelfall ab. Handelt der Agent im Rahmen der Vorgaben, wird seine Entscheidung dem Nutzer zugerechnet, und der Vertrag ist grundsätzlich wirksam. Hat der Händler mit falschen Produktdaten die Fehlentscheidung verursacht, kann er haften.
Gegenüber dem Kunden haftet der Händler für alles, was den Vertrag betrifft: Preis, Produkt und Lieferung. Der Anbieter des KI-Agenten haftet laut Händlerbund gegenüber dem Händler für eine fehlerfreie KI-Infrastruktur, korrekte Schnittstellen und Datensicherheit.
Eine Anfechtung ist nach deutschem Recht vor allem bei technischen Übermittlungsfehlern möglich (vergleichbar § 120 BGB). Hat der Agent die gesetzten Grenzen überschritten, etwa ein Preislimit, kommt sie im Einzelfall in Betracht. Das Widerrufsrecht bleibt für Verbraucher auch bei Käufen durch einen Agenten bestehen, für Unternehmen gilt es nicht. Offen ist laut o.g. Artikel des Händlerbunds, ob Software unter das Produkthaftungsgesetz fällt und wie die EU-Haftungsregeln final ausgestaltet werden.
Wo die Zahlungsregulierung hakt
Die europäische Zahlungsregulierung ist bisher nicht für Agenten geschrieben. Laut Adyen geht sie noch davon aus, dass eine Person jede einzelne Transaktion autorisiert. Die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 verlangt eine starke Kundenauthentifizierung, und laut einer Sekundärquelle ist offen, wie weit sich diese Autorisierung an einen Agenten delegieren lässt. Das passt schlecht zu offenen Mandaten, bei denen der Agent später ohne den Kunden kauft.
Wie sich Agentenkäufe mit der DSGVO vertragen, scheint Stand heute noch offen. Hier hinkt die Gesetzgebung der technischen Entwicklung hinterher. Das werden die Gerichte ggf. auch erst in Einzelfällen entscheiden müssen.
Was unterscheidet Agentic Commerce von Conversational Commerce?
Conversational Commerce (auch C-Commerce) bezeichnet den dialogbasierten Online-Handel. Hier werden Produkte und Dienstleistungen direkt über Konversationstools wie Chatbots (ChatGPT, Gemini, Claude), Messaging-Dienste oder Sprachassistenten in Echtzeit gesucht, beraten und gekauft.
Für die Abgrenzung zwischen Agentic Commerce und C-Commerce ist entscheidend, ob die Handlung übergeben wird oder der Dialog.
Beim Conversational Commerce findet der Kauf im Gespräch statt (Chat, Sprache, Messenger), doch der Mensch trifft jede Entscheidung selbst. Ein Chatbot, der nur Produkte empfiehlt, entspricht damit einer Beratung, nach der die Kundin oder der Kunde selbst zur Kasse geht.
Beim Agentic Commerce übernimmt der Agent die Transaktion. Die Konversation ist also nur eine Oberfläche: „Agentic“ meint das Handeln im Auftrag, nicht das Gespräch.
| Modell | Wer wählt aus? | Wer löst den Kauf aus? |
|---|---|---|
| Klassischer E-Commerce | Mensch | Mensch |
| Conversational Commerce | Mensch, im Dialog unterstützt | Mensch |
| Agentic Commerce | Agent, im vom Menschen gesetzten Rahmen | Agent, je nach Stufe nach Freigabe |
Der Begriff selbst wird allerdings nicht einheitlich verwendet. Die enge, käuferseitige Bedeutung verwendet unter anderem der Anbieter Eco: Anders als eine Empfehlungsmaschine oder ein Chat-Assistent führt ein Agent die Transaktion selbst aus.
Daneben fassen manche Anbieter darunter KI-Agenten im Handel allgemein. Salesforce etwa beschreibt Agenten, die im Auftrag von Nutzern oder Unternehmen handeln und dabei auch Lagerbestände verwalten, Kundenservice automatisieren oder Empfehlungen personalisieren. Dieser weiten Bedeutung fehlt das Merkmal „Handeln im Auftrag des Käufers“. Bei Fachtexten und Anbieterversprechen zum Thema ist deshalb zuerst zu prüfen, welche Bedeutung gemeint ist.
Ein KI-Shopping-Assistent, der nur empfiehlt, vergleicht und berät, fällt deshalb nicht unter die enge Bedeutung. Das ändert sich, sobald er Käufe ausführt, wie es Amazon mit „Buy for Me“ vorsieht. In der Praxis gehen die Modelle oft ineinander über, weil vorn ein Dialog steht und hinten die Ausführung folgt. Für die Einordnung zählt deshalb der letzte Schritt, nicht die Oberfläche.