Der Ausdruck stammt aus dem Zeitungsdruck: Broadsheet-Zeitungen werden in der Mitte gefaltet, im Verkaufsständer sieht man zuerst die obere Hälfte über der Falzlinie. Auf Webseiten dient der Begriff heute als Bezugsrahmen für sichtbare Inhalte in Webdesign, SEO und Online-Werbung.
Above the Fold kann dabei auch über Bereiche wie die Hero Section und die Kopfzeile (Header) hinausgehen.
Alles, was erst durch Scrollen erreichbar wird, heißt „below the fold“.

Above the fold hat keine feste Pixelhöhe
Das Problem für jeden Webdesigner: Es gibt dort draußen zahllose unterschiedliche Bildschirme, Fenstergrößen und Zoomstufen. Dadurch kann bei jedem Nutzer „Above the Fold“ wieder anders aussehen.
Historische Faustwerte wie 1000 × 600 Pixel für die damalige Standardauflösung 1024 × 768 sind heute nur noch als Zeitmarke interessant. Selbst innerhalb desselben Geräts verschiebt sich die Grenze, wenn der Nutzer die Fenstergröße ändert oder Browserleisten ein- und ausblendet.
Auf Mobilgeräten ist der Falz eine bewegliche Größe. Adressleiste und Toolbars klappen beim Scrollen ein und wieder aus, dadurch verändert sich die sichtbare Höhe. Die CSS-Einheit 100vh rechnet mit der maximalen Viewport-Höhe und schneidet dadurch Inhalte ab, solange die Adressleiste noch sichtbar ist. Die neueren Viewport-Units svh (kleinster sichtbarer Bereich), lvh (größter) und dvh (dynamisch mitlaufend) sind dafür die passende Lösung. dvh reagiert dynamisch auf das Ein- und Ausklappen der Browserleisten.
Praktisch heißt das: Wer den Above-Fold-Bereich gestaltet, gestaltet ihn immer für ein konkretes Gerät oder eine Gerätegruppe. Die Frage lautet nicht „wo liegt der Falz“, sondern „welcher Falz zählt für welche Zielgruppe“.
Above the Fold, Hero, Header, Viewport
Vier Begriffe werden regelmäßig vermischt, obwohl sie auf verschiedenen Ebenen liegen.
- Above the Fold ist der Bereich, der beim Seitenaufruf ohne Scrollen sichtbar ist. Räumliche Kategorie, keine Komponente.
- Header ist eine feste Komponente am Seitenanfang, meist mit Logo, Navigation und Suche. Der Header liegt im Above-Fold-Bereich, füllt ihn aber nicht aus.
- Hero Section ist ein Gestaltungselement direkt unter dem Header, oft mit großformatigem Bild oder Video und zentraler Aussage. Sie ist ein möglicher Bewohner des Above-Fold-Bereichs, nicht der Bereich selbst.
- Viewport ist der aktuell sichtbare Bildausschnitt, der beim Scrollen mitwandert. Above the Fold ist der Zustand des Viewports zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs, also der initiale Viewport.
Wer diese Ebenen trennt, kann Aussagen wie „die Hero füllt den Above-Fold-Bereich komplett“ präzise formulieren, statt „die Hero ist Above the Fold“.
Scrollen die Nutzer nicht sowieso?
Doch, aber ungleich. Eyetracking-Studien der Nielsen Norman Group zeigten 2010 rund 80 Prozent der Betrachtungszeit oberhalb des Falzes. Die Folgestudie 2018 kam auf etwa 57 Prozent oberhalb und 74 Prozent innerhalb der ersten beiden Screenfuls bis 2160 Pixel. Der Anteil ist gesunken, weil Scrollen selbstverständlich geworden ist. Das Grundmuster bleibt aber: über 42 Prozent der Betrachtungszeit entfallen auf die obersten 20 Prozent einer Seite, über 65 Prozent auf die obersten 40 Prozent. Chartbeat maß 2013 nur vier bis neun Sekunden bis zum ersten Scrollversuch.
Aus diesen Zahlen folgen zwei Stolperfallen. Die erste ist die „Illusion of Completeness“: Wirkt der sichtbare Bereich in sich abgeschlossen, gehen Nutzer davon aus, alles gesehen zu haben. In einer NNG-Studie erkannten 75 Prozent nicht, dass die Seite weiterging. Die zweite ist der „False Floor“: Full-Viewport-Heros, dominante Trennlinien oder große Leerräume erzeugen visuell einen Seitenabschluss, wo keiner ist.
Die Konsequenz: Above the Fold ist nicht mehr allein entscheidend, aber weiterhin der aufmerksamkeitsstärkste Bereich. Er muss zwei Aufgaben lösen, nämlich die zentrale Botschaft transportieren und sichtbar signalisieren, dass es unterhalb weitergeht.
Was in den sichtbaren Bereich gehört
Der Above-Fold-Bereich sollte die zentrale Wertaussage der Seite und eine primäre Handlungsaufforderung tragen, mehr nicht. Häufigster Fehler ist die Überfrachtung: lange Fließtexte, mehrere Bilder, gleichzeitig laufende Animationen und mehrere konkurrierende CTAs überlasten kognitiv und verlangsamen zusätzlich die Ladezeit. Das Gegenextrem, ein leerer Full-Viewport-Hero mit nur einer Zeile Text, kann zu frühem Absprung führen, weil nichts zum Weiterlesen einlädt.
Ein wirksamer Mittelweg gegen den False-Floor-Effekt ist das bewusste Anschneiden der nächsten Sektion. Wenn die Folgeinhalte am unteren Rand des initialen Viewports mit einigen Pixeln beginnen, signalisiert das unterschwellig: hier geht es weiter. Ein Full-Viewport-Hero, der exakt an der Falzlinie endet, tut das nicht.
Zur Reihenfolge in der Konzeption: Mobile-first-Gestaltung baut den Above-Fold-Bereich vom kleinsten Bildschirm nach oben auf. Der umgekehrte Weg, ein Desktop-Layout auf Mobile herunterzuskalieren, produziert regelmäßig Above-Fold-Zonen, in denen auf dem Smartphone weder Botschaft noch CTA vollständig sichtbar sind.
Above the Fold und Largest Contentful Paint
Largest Contentful Paint (LCP) misst, wann das größte sichtbare Element im initialen Viewport gerendert ist, und ist Teil der Core Web Vitals. Entscheidend für den Zusammenhang: LCP bewertet ausschließlich Elemente innerhalb des Above-Fold-Bereichs. Was erst nach dem Scrollen erscheint, ist kein LCP-Kandidat. Die Wahl der Above-Fold-Komposition entscheidet also unmittelbar darüber, welches Element gemessen wird.
Die Schwellen sind fest: ≤ 2,5 Sekunden gilt als gut, 2,5 bis 4 Sekunden als verbesserungsbedürftig, über 4 Sekunden als schlecht. Typische LCP-Elemente sind Hero-Bilder, große Block-Level-Texte oder das Poster-Frame eines Videos.
Damit wird die Gestaltungsentscheidung technisch: Ein Textblock als LCP-Element rendert schneller als ein großformatiges Foto, weil die Schrift schon mit dem Stylesheet steht, während das Bild erst geladen werden muss. Autoplay-Hero-Videos sind für LCP ungünstig, weil das Video-Asset schwer ist und den kritischen Renderpfad blockiert. Praktikabler Weg: statisches, komprimiertes Poster-Bild als LCP-Element, Video erst nach dem initialen Paint nachladen.
Sichtbarkeit in der Online-Werbung
Im Werbekontext ist „above the fold“ keine reine Positionsangabe mehr, sondern an eine messbare Bedingung geknüpft: die Viewable Impression nach dem IAB/MRC-Standard von 2014. Sie greift, wenn mindestens 50 Prozent der Anzeigenpixel für mindestens eine zusammenhängende Sekunde im sichtbaren Browserbereich liegen. Für In-Stream-Video gelten 50 Prozent Pixel für zwei Sekunden. Für großformatige Display-Anzeigen ab 242.000 Pixel reichen 30 Prozent für eine Sekunde, weil solche Formate praktisch nie vollständig in den Viewport passen.
Damit verschiebt sich das Kriterium weg vom Layoutgedanken „Anzeige über dem Falz“ hin zur tatsächlichen Sichtbarkeit beim Nutzer. Eine Anzeige kann oberhalb des Falzes platziert sein und trotzdem nicht als viewable zählen, etwa wenn die Seite so schnell weitergescrollt wird, dass die Ein-Sekunden-Schwelle nicht erreicht wird. Umgekehrt kann eine tiefer platzierte Anzeige durch Scrollen viewable werden. Viewability-Reports lesen sich mit diesem Wissen präziser: Der Wert misst nicht Platzierung, sondern erfüllte Sichtbarkeitsbedingung.
Above the Fold im SEO
Google hat mit dem Page Layout Algorithm (auch „Top Heavy“ genannt) am 19. Januar 2012 einen Filter eingeführt, der Seiten abwertet, bei denen der Above-Fold-Bereich überwiegend aus Werbung besteht oder relevante Inhalte durch große Werbeblöcke nach unten gedrückt werden. Auffrischungen folgten am 9. Oktober 2012 (Top Heavy 2, betroffen waren 0,7 Prozent englischsprachiger Suchanfragen) und am 6. Februar 2014 (Top Heavy 3). Der Filter zielt laut Google auf Seiten mit „only a small amount of visible content above-the-fold“.
Für die Praxis heißt das: Wenn Anzeigen im initialen Viewport dominieren und der Hauptinhalt erst durch Scrollen erreichbar ist, ist das ein Ranking-Risiko, kein Detail des Layouts. Durch Mobile-First-Indexing bewertet Google zudem primär die Mobilansicht. Die relevante Above-Fold-Zone für SEO ist damit die des Smartphones, nicht die des Desktops. Ein Above-Fold-Bereich, der auf dem Desktop sauber aussieht, kann auf Mobile durch verschobene Werbeblöcke oder große Consent-Banner kritisch werden.