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Buyer Journey

8 Min Lesezeit · Zuletzt aktualisiert:

Definition

Die Buyer Journey ist der Weg, den ein potenzieller Kunde von dem ersten Erkennen eines Problems bis zur Kaufentscheidung geht. Dieser Prozess teilt sich in die drei Phasen Awareness (Bewusstsein), Consideration (Überlegung) und Decision (Entscheidung) auf.

Die Verwendung des Modells hilft im Marketing und Vertrieb dabei, Inhalte und Aktivitäten an der Käuferperspektive auszurichten. Genutzt wird es vor allem im Content- und Inbound-Marketing als Rahmen für die Content-Planung.

Die Buyer Journey wird häufig mit der Customer Journey verwechselt. Während die Buyer Journey mit dem Kauf (Decision) endet, läuft die Customer Journey danach weiter (Retention – Kundenbindung und Advocacy Weiterempfehlung).

Im Gegensatz zum Sales Funnel nimmt die Buyer Journey die Käuferperspektive ein – der Sales Funnel beschreibt die interne Unternehmenssicht.

Dieser Perspektivwechsel von innen (Was will ich im Marketing senden?) nach außen (Was will eigentlich der potentielle Kunde?) ist aller Erfahrung nach sehr wertvoll, da Marketingbotschaften so effizienter ausgerichtet werden können.

Woher das Modell kommt

Geprägt hat die Buyer Journey HubSpot. Der Anbieter etabliert den Begriff seit Mitte der 2000er Jahre als Kern seiner Inbound-Marketing-Methodik. Sie ist damit weniger ein empirisch entdecktes Käufermuster als ein Planungsrahmen. Marketing-Praktiker haben ihn geschaffen, um Inhalte an den Informationsbedarf potenzieller Käufer zu koppeln.

Diese Herkunft prägt den Charakter des Modells: Es ist normativ gedacht, also als Karte für die Content-Strategie, nicht als Beschreibung dessen, wie Menschen tatsächlich einkaufen.

Wer die Buyer Journey mit diesem Blick nutzt, vermeidet den häufigsten Denkfehler, das Modell mit realem Käuferverhalten zu verwechseln.

Die drei Phasen im Detail

Jede Phase steht für einen bestimmten Zustand im Kopf des Käufers und damit für einen anderen Informationsbedarf.

Wer eine Phase zuordnen will, prüft, welche Frage der Käufer gerade stellt und nicht, welches Produkt oder Format vermarktet wird.

Die Infografik zeigt die drei Phasen der Buyer Journey: Awareness, Consideration und Decision, jeweils mit einer Beschreibung, Käuferfragen, Beispielen und passenden Inhalten. Die einzelnen Phasen der Buyer Journey sind durch violette, rote und blaue Farben miteinander verbunden.

Awareness: der Käufer erkennt ein Problem

In der Awareness-Phase merkt der Käufer, dass er ein Problem oder einen Bedarf hat. Eine konkrete Lösung hat er dabei noch nicht im Kopf. Die typische Suche zielt auf Problemverständnis und Ursachen, etwa „Warum sinkt meine Konversionsrate?“ oder „Was ist SEO?“. Anbieter, Kategorien oder Preise spielen hier noch keine Rolle.

Passend sind Formate, die einordnen und aufklären: E-Books, Guides und Tip Sheets. Der Fehler an dieser Stelle ist, Produktinhalte zu platzieren, für die der Käufer noch keinen Rahmen hat.

Consideration: der Käufer vergleicht Lösungswege

In der Consideration-Phase hat der Käufer das Problem benannt und erkundet verschiedene Lösungsansätze.

Verglichen werden Kategorien von Lösungen, nicht einzelne Anbieter. Jemand mit sinkender Konversionsrate wägt zum Beispiel ab, ob Conversion-Rate-Optimierung, ein A/B-Testing-Tool oder eine UX-Beratung der richtige Weg ist.

Tragende Formate sind Experten-Webinare, Checklisten und Whitepapers, die Lösungskategorien gegenüberstellen. Suchbegriffe verschieben sich von „Was ist X?“ zu „X vs. Y“ oder „Vor- und Nachteile von X“.

Decision: der Käufer wählt einen Anbieter

In der Decision-Phase steht die Lösungskategorie fest. Jetzt geht es um den konkreten Anbieter, den Preis und die Konditionen. Der Kauf ist noch nicht abgeschlossen, aber die Auswahl ist eingegrenzt. Suchanfragen wie „Inbound-Marketing-Agenturen vergleichen“ oder „Anbieter X Preis“ sind typische Signale.

Passend sind hier Produktdatenblätter, Vendor Comparisons, Case Studies und Demo-Angebote. Im B2B kommt oft ein zusätzlicher Bedarf hinzu: Material, mit dem interne Fürsprecher einen Business Case gegenüber Kollegen und Entscheidern begründen können.

Buyer Journey oder Customer Journey oder Sales Funnel?

Die drei Begriffe werden durcheinandergeworfen, unterscheiden sich aber entlang von Perspektive und Zeitraum.

Die Buyer Journey nimmt die Käuferperspektive ein und endet mit der Kaufentscheidung.

Die Customer Journey umfasst den gesamten Kundenlebenszyklus und läuft nach dem Kauf weiter, etwa mit Onboarding, Bindung und Empfehlung.

Der Sales Funnel bildet dieselben Phasen wie die Buyer Journey ab, aber aus Unternehmenssicht: oben viele Interessenten, unten wenige Käufer, im Fokus der Abschluss.

Die Infografik vergleicht die Buyer Journey, die Customer Journey und den Sales Funnel und zeigt Phasen wie „Bewusstwerdung“, „Überlegung“ und „Entscheidung“ auf. Dabei werden Unterschiede in der Perspektive und im Ablauf mithilfe von Symbolen und Pfeilen veranschaulicht. Die Buyer Journey wird anschaulich dargestellt, um ihre einzelnen Schritte hervorzuheben. Der Text ist auf Deutsch.

Praktisch heißt das: Wer neue Leads gewinnen und in ihrem Entscheidungsprozess abholen will, plant mit der Buyer Journey. Wer Kunden halten und zu Empfehlungen bringen will, plant mit der Customer Journey. Der Sales Funnel ist das passende Modell, wenn die Frage lautet, wie viele Interessenten in welcher Stufe verloren gehen und wo im eigenen Verkaufsprozess der Engpass sitzt.

Die User Journey gehört nicht in diese Reihe. Sie beschreibt Interaktionen eines Nutzers innerhalb eines digitalen Produkts, also App oder Website, und deckt nicht den Kaufentscheidungsprozess ab.

So ordnest du Inhalte den Phasen zu

Der praktische Nutzen der Buyer Journey liegt darin, jedem Inhalt eine Phase zuzuweisen und Lücken sichtbar zu machen. Der schnellste Weg dazu führt über den Suchintent hinter einer Anfrage.

  • Informationale Suchanfragen wie „Was ist SEO?“ oder „Warum sinkt meine Konversionsrate?“ gehören zur Awareness-Phase.
  • Vergleichende Suchanfragen wie „Content-Marketing vs. Performance-Marketing“ oder „Checkliste für Marketing-Automation“ gehören zur Consideration-Phase.
  • Transaktionale und anbieterbezogene Suchanfragen wie „Inbound-Marketing-Agenturen vergleichen“ oder „Anbieter X Erfahrungen“ gehören zur Decision-Phase.

Für Formate gilt die Faustregel aus der Inbound-Marketing-Praxis: In Awareness tragen E-Books, Guides und Tip Sheets, in Consideration Experten-Webinare, Checklisten und Lösungsvergleiche, in Decision Produktdatenblätter, Vendor Comparisons und Case Studies. Eine Bestandsaufnahme der eigenen Inhalte entlang dieser Zuordnung zeigt in der Regel, wo eine Phase unterversorgt ist.

Warum die reale Journey selten so linear ist wie das Modell

Reale Käufer folgen selten dem theoretischen Pfad Awareness → Consideration → Decision.

Google hat mit dem Modell „Messy Middle“ gezeigt, dass Konsumenten zwischen Trigger und Kauf wiederholt zwischen Exploration und Evaluation pendeln.

In einer Untersuchung über 310.000 Kaufszenarien wechselte etwa ein Drittel der Konsumenten die Markenpräferenz, wenn Wettbewerber gezielt mit kognitiven Verzerrungen (Social Proof, Verknappung, Autorität und weiteren) aufgeladen wurden. Im Extremfall gewann eine fiktive Marke 87 % der Käuferpräferenz.

Diese Empirie widerspricht dem Drei-Phasen-Modell nur oberflächlich. Das Modell verliert seinen Nutzen nicht, wenn Käufer zurückspringen.

Es bleibt eine Karte für die Content-Strategie, weil Inhalte trotzdem einem dominanten Informationsbedarf zugeordnet werden können. Es taugt aber nicht als Prognose für den Weg einer einzelnen Person durch den Kaufprozess.

Die praktische Konsequenz: linear denken bei der Content-Planung, nicht-linear denken bei Ausspielung und Kanalstrategie.

Denn derselbe Käufer kann denselben Consideration-Inhalt mehrfach und in beliebiger Reihenfolge sehen.

Typische Fehler beim Arbeiten mit der Buyer Journey

Die häufigsten Fehler in der Praxis sind dokumentiert und wiederholen sich unabhängig vom Reifegrad der Marketing-Organisation.

  • Zu viel Fokus auf eine einzige Phase. Häufig entsteht viel Awareness-Content, während Consideration und Decision unterversorgt bleiben. Die Folge sind Leads, die im Trichter versanden, weil sie in der entscheidenden Phase keine passenden Inhalte finden. Korrektur: Content-Bestand pro Phase zählen, nicht insgesamt.
  • Der umgekehrte Fall in internen Workshops. Wenn Vertriebs- und Produkt-Teams Content-Ideen sammeln, entstehen fast automatisch viele Decision-Stage-Themen und kaum echter Awareness-Content. Der Grund: Man hat das eigene Produkt vor Augen, nicht das Ausgangsproblem des Käufers. Korrektur: Awareness-Ideen getrennt sammeln, ausgehend von Käuferfragen ohne Produktbezug.
  • Die Journey Map als fertiges Dokument. Wird die Zuordnung einmal erstellt und dann nicht mehr gepflegt, veraltet sie schneller als das Produkt und die Zielgruppe. Korrektur: die Zuordnung als lebendes Dokument behandeln, das mit neuen Käuferfragen und Content-Formaten aktualisiert wird.
  • Content-Lücken bei kritischen Einwänden. Häufig fehlen Inhalte für eine spezifische Persona-Sorge, für einen dokumentierten Einwand aus Vertriebsgesprächen oder für den internen Business Case in Decision-Stage-Käufen. Korrektur: Einwände und wiederkehrende Fragen aus Sales-Gesprächen systematisch in die Content-Planung zurückspielen.

FAQ

Ist Buyer Journey dasselbe wie Purchase Journey?

Beide Begriffe werden weitgehend synonym verwendet und meinen den Kaufentscheidungsprozess aus Käufersicht. „Purchase Journey“ ist im Umfeld von Google und der Consumer-Behavior-Forschung geläufig, „Buyer Journey“ im Content- und Inbound-Marketing.

Unterscheidet sich die Buyer Journey in B2B und B2C?

Der Drei-Phasen-Rahmen bleibt derselbe. Die B2B-Journey umfasst aber typischerweise mehr Entscheider, höhere Einsätze und längere Zeiträume. Für B2B-Käufe entsteht in der Decision-Phase zusätzlicher Bedarf an Material, mit dem ein interner Fürsprecher den Business Case gegenüber weiteren Entscheidern begründet.

Wie viele Phasen hat die Buyer Journey, drei oder fünf?

Kanonisch sind es drei: Awareness, Consideration und Decision. Fünf-Phasen-Varianten, die zusätzlich Retention und Advocacy enthalten, mischen die Buyer Journey mit Customer-Journey-Elementen und sind kein Standard-Buyer-Journey-Modell.

Wo hört die Buyer Journey auf und wo fängt die Customer Journey an?

Die Grenze liegt an der Kaufentscheidung. Alles davor, also Bedarfserkennung, Lösungsvergleich und Anbieterwahl, ist Buyer Journey. Alles danach, also Onboarding, Nutzung, Bindung und Empfehlung, ist Customer Journey.